Mittwoch, 31. Dezember 2014

Mach's gut, 2014, du seltsames Jahr.

Liebe Schnitzelfreunde,
jetzt ist doch tatsächlich schon wieder ein ganzes Jahr rum. Bei mir war es ein seltsames. Aber sowas muss zwischendurch wohl einfach mal sein. Das größte Ereignis, wenn es diesen Namen denn überhaupt verdienen sollte, war meine Entlassung im Oktober. Vier Jahre bei Nintendo of Europe gingen einfach so vorbei. Und mit mir mussten noch weitere 320 Mitarbeiter gehen. Der Wahnsinn in Tüten...

Ich weiß noch, dass in meinem Körper irgendetwas förmlich explodierte, als das "Unheil" verkündet wurde. Gleichzeitig war ich ruhig wie ein Gebirgssee. Ich würde viel zu regeln haben, ich würde all meine geliebten Teammitglieder aus aller Welt verlieren, ich war aber auch plötzlich so verdammt frei! Doch mit Freiheit musste ich erst einmal lernen umzugehen. 

Merken möchte ich mir fürs nächste Mal: Haare lässig zurückbinden, breit lächeln, es als unfassbar großes Geschenk ansehen, den dicksten Rucksack vollstopfen, fröhlich winken und alleine ganz weit weg fahren. Vielleicht für zwei Monate nach Marokko, sich selbst in die Wüste schicken, glückstaumelnd treiben lassen, zwischen Dünen überwintern und sich mit Datteln oder getrockneten Feigen füttern und zwischen Kamelhöckern wiegen lassen. Man lebt nur einmal. Und man muss einfach eintauchen in die Wellen, nicht gegen sie ankämpfen und wie besessen paddeln. Mir wurde so viel Zeit geschenkt, und ich wusste nicht, wohin damit. Obwohl, irgendwie ja doch. Der Blog hier entstand. Ich bin gespannt, wo das noch hinführt!

Um mich gebührend vom alten Jahr zu verabschieden und das neue mit ebensoviel Tamtam zu begrüßen, habe ich vorhin übrigens beinahe die Wohnung in Brand gesetzt. Das macht man hier in Frankfurt so. 

Hab ich gehört.

Na gut, nicht ganz. Aber es sollte ein richtig gutes Wunderkerzenbild her! Ich hab sogar zum ersten Mal die Kamera in den manuellen Modus umgestellt. (Ein Raunen geht durch die Menge.) Nach zwei gescheiterten Versuchen gab es eine schicksalhafte Begegnung mit einem Taschentuch. Aber gut. Ich schweife ab. Überraschung! Ein Video von zwei Zwölfjährigen mit monoton dahingemurmelten Anweisungen hat mich dann auf den rechten Weg leiten können (nein, das ist mir nicht peinlich, ist es NICHT!), und dass das Wohnzimmer mittlerweile riecht, das ist mir jetzt auch egal.

Denn wenn ihr das hier lest, bin ich längst über alle Berge. Silvester feiere ich dieses Jahr nämlich in Liverpool, und ich freue mir gerade einen dritten Arm!

Ihr Schätzeleins, kommt gut ins neue Jahr! Herzt euren Nebenmann, natürlich auch die Nebenfrau, und prostet einander zu! 2015 könnte ziemlich gut werden. Zumindest ist mir die Zahl an sich schon unglaublich sympathisch. Bis bald!
 


Was gelernt?
Geht doch immer, immer irgendwie weiter!

Dienstag, 30. Dezember 2014

Do it doch einfach yourself.
Terrakottapötte bemalen.

Terrakotta - [ohne Glasur gebrannter Ton, der beim Brennen eine weiße, gelbe, braune oder rote Färbung annimmt]

Liebe Schnitzelfreunde,
ich merke, dass der Blog was mit mir tut, obwohl ich ja in letzter Zeit selbst eher wenig mit dem Blog tue. Es folgt kein Esoterikgesülze, ihr könnt also dableiben. Immer locker durch die Hose atmen. Aber ich mach mehr von dem Kram, den ich echt gut finde. Vor allem mache ich auch einfach mehr. Mal ausprobieren, mal herumschieben, mal umgestalten, mal sehen, wie's aussieht, wenn man hier und da und, oh, sieht das scheiße aus, alles wieder auf Anfang. Aber das gehört ja auch dazu. Mut zum Scheitern.


So ein Blog bringt einen dazu und hilft einem dabei, sich selbst besser kennenzulernen. Was ich jetzt schon sicher weiß: Abschweifen ist eine meiner großen Stärken. (YEAH!) Mich in Details verlieren. Darauf ein Bierchen. Prost. 


Genau. Zum Thema. Vorgestern war ich bei Rewe. Die tolle Milch in Flaschen kaufen, unter anderem. Die vom Bauern aus der Region und so, alles sehr vorbildlich. (Ihr merkt - beim Thema bin ich noch lange nicht...) Um die Sache abzukürzen: Jutebeutel vollgepackt, Milchflasche zuunterst, Beutel locker über die Schulter geworfen, stoisch durch den Schnee gestapft, und plötzlich wird es kalt an der linken Wade. Man wundert sich, man guckt. Nass? Hm. Komisch. Wo kann denn das...? NEEEEEEIIIIN! Jackenzipfel, Strumpfhose, gefütterte Stiefel, alles fein mit Milchbächlein verziert. Der Beutel tropfte, nein, er goss einen halben Liter Milch einfach so aus. Ich sah ihm geduldig dabei zu. Der Gehsteig erstrahlte in flüssigem Weiß. Passanten nahmen amüsiert Notiz. Wieder zu Hause saß ich nach einer Putzaktion mit Teechen auf der Couch und wollte plötzlich dringend was anmalen! Ihr merkt auch, dass hier jetzt scheinbar der Zusammenhang fehlt, stimmt das? Aber so war es. Die Milch hatte mich angemalt, jetzt wollte ich zurückschlagen! Laktose-Intoleranz hat ein zweites Gesicht! Tamtamtam, dramatische Musik.


Mir fielen die Acrylfarben von Rossmann wieder ein. Spülschwamm und Washitape dazu, los ging's. Und nach all dem Geklebe und Getupfe frei Schnauze hier bin ich jetzt der Meinung, dass so ein Milchunfall ruhig öfter passieren könnte. Wenn so etwas dabei rumkommt. Schickes Ding. Und sagt nichts zu den zwei etwas zu knusprig geratenen "Blättern" meiner gebeutelten Sukkulenten. Die fühlen sich wohl. Eine Mutter spürt so etwas. Schönen guten Abend.


Was gelernt?
  Hessische Bauern müssen an ihrer Schraubtechnik feilen.
Milchflaschendeckel, die einfach abfallen. Gibbet doch nich?!

Freitag, 26. Dezember 2014

Weihnachtswanderung.

Liebe Schnitzelfreunde,
seid ihr dieses Jahr auch so faul zu Weihnachten? Ich lag die vergangenen Tage nur gefräßig auf der Couch, fütterte andere und mich selbst mit Ferrero Rocher und getrockneten Feigen, joah, und... Sonst war nichts. Die Welt dreht sich auch ohne mich weiter. Und ehrlich gesagt ist das doch einfach nur herrlich! Heute Morgen ging dann ein Ruck durch die Familie - Wandertag, allemann! Stiefel schnüren, Rucksack packen, ab in den Wald. Reden, schweigen, Pläne schmieden, weiterstapfen. So muss Weihnachten aussehen. Ich bin so unglaublich gerne in der Heimat.







Genießt die Zeit mit euren Lieben. 

Was gelernt?
Zu Hause. Immer noch eher Pott.

Dienstag, 23. Dezember 2014

Links with love. Die Zweite.

Liebe Schnitzelfreunde,
ich mach' diesmal kurzen Prozess mit der Linkliebe. Na ja, fast. Ich fasse mich einfach kurz. Denn wenn wir ehrlich sind, schwebt die eine Hälfte von uns schon auf Wolke sieben, weil gottseidankohmannomannichmachdreikreuze alles erledigt und eeeendlich Entspannung angesagt ist, und die andere Hälfte wuselt emsig umher und hat die Aufmerksamkeitsspanne eines Eichhörnchens. Ich zähle mich leider zu letzterer Gruppe... Also, einmal tief Luft holen, Nüsschen zwischen die Kiemen schieben und ab dafür: Hier sind ein paar der Dinge, die in letzter Zeit für ziemlich gute Laune gesorgt haben. Echt. Vielleicht klappt das bei euch ja auch.


1. Chris und Francesco aus New York City. Weil sie einen monströsen, tonnenschweren Vogel haben. Und wohl den besten Arbeitsplatz der Welt, der es ihnen erlaubt, hin und wieder Verkleiden zu spielen und berühmte Gemälde nachzustellen. Bierernst und mit ästhetischem Anspruch. Zum Quietschen.

2. Würzige Cookies mit Ras el Hanout. Persönlich erprobt und für unverschämt lecker befunden. Salzige Plätzchen könnten zu einer neuen persönlichen Vorliebe werden. In diesen hier stecken getrocknete Tomaten, Walnusskerne, Parmesan und Thymian.

3. Dieser Kurzfilm von Nicolas Deveaux. Schon ein paarmal gesehen, und immer noch nicht satt. Wer könnte der Eleganz von turmspringenden Giraffen widerstehen? Ihr etwa?

4. Selbstgemachte Bruchschokolade mit Toffee und Salzbrezeln.
Vergessen, dass Tante Waltraud am zweiten Weihnachtstag auch dabei ist? Argh, schnell nachmachen! Oder Kopf zwischen die Hände nehmen und ganz feste drücken hervorragende Eigenkreation ersinnen. Weiße Schokolade mit Thymian und Zitronenschale? Zartbitter mit gerösteten Kürbiskernen und Meersalz? Einfach mal ausflippen.

5. Diese beiden Videos, die das Glas erheben. Auf introvertierte Menschen. Die Welt muss wieder lernen, die leisen Töne wahrzunehmen. Auch wenn so ein bisschen Rabatz zwischendurch ganz dufte ist.

6. Die "paquets cadeaux"-Pinnwand von DeeDeeParis. Vorwiegend mit den allerschönsten Packpapierideen gefüllt. Genau mein Ding!


Euch allen da draußen ein wundervolles Weihnachtsfest! Genießt die Zeit, kommt zur Ruhe, tankt Energie und lasst euch einfach nicht verrückt machen. 

Edit: Der hier muss dringend noch sein. Ihr wisst, warum. Hach.

Was gelernt?
Nachts um 2 fluppt dat mit dem Schreiben. Eine bedenkliche Entwicklung. Gute Nacht. Der Letzte macht das Licht aus. 

Sonntag, 21. Dezember 2014

Steh uns bei. Jetzt legt sie doch noch los.
Die Weihnachtsoffensive.

Liebe Schnitzelfreunde,
einen heimeligen, teelastigen, plätzchenknusprigen vierten Advent wünsche ich euch! Jetzt dauert es wirklich nicht mehr lange, bis wir alle mit dicken Knödelbäuchen und roten Wangen unterm Tannenbaum liegen, um die glitzernden Kugeln von unten zu betrachten und gegen die Lamettasträhnchen zu pusten. Jajaja, früher war mehr Lametta, schon gut. Egal, ich freu mich drauf! Obwohl Weihnachten für mich schon halb vorbei ist. Das hat nichts mit Pessimismus, Erschöpfung oder Lustlosigkeit zu tun, sondern ist schlicht und einfach der Tatsache geschuldet, dass Franzose und ich gestern aus gutem Grund den ganzen Tag über versucht haben, uns die volle Dröhnung zu geben. Mit Erfolg, möchte ich behaupten. Und das ist sehr super so. Jetzt sitzt er nämlich im Zug und zuckelt Richtung Heimat. Da kann ich ab sofort gucken, wie ich hier alleine weiter vor mich hin feiere. Prost! Bisher schlage ich mich überaus wacker und habe eine halbe Packung Kekse verdrückt, im Hintergrund dudelt Wintermusik, ein Ozean aus weißen Kerzen (gut, 4 Stück nur) erhellt das Wohnzimmer und die ein oder andere Bastelei/Sauerei wartet auch noch auf mich. 


Die vielen Weihnachtskarten wollen endlich, endlich geschrieben und verschickt, Geschenke müssen in feines Papier verwickelt und geschlagen, Zimttee möchte gebraut werden, und ehrlich gesagt habe ich auch einfach riesige Lust, zur Ruhe zu kommen und ein paar schicke Tage mit meiner Familie zu verbringen. Vor allem nach dem gestrigen Gewimmel, obwohl es am Ende sehr kuschelig und besinnlich war. Irgendwie standen wir doch kurz vorm Weihnachts-Overkill samt Zimtsternen, Kunstschnee, Weihnachtsmarkt und -menü UND sogar -geschenkeaustausch. Ein Gutes hatte die Aktion allerdings trotzdem: Jetzt ist sie da, die Stimmung. Oh, du Fröhliche!

Ein paar vorweihnachtliche Eindrücke und Momente habe ich festgehalten und möchte sie euch auch zeigen. Und dann verziehen wir uns alle wieder auf die Couch, nech? Oder besuchen ehemalige französische Kollegen, um uns den Bauch mit authentischen, hausgemachten Crêpes vollzuschlagen! Ooohhh, mmmhhh... Meine Güte, bis vor zwei Jahren waren die Worte "schlemmen" und "Fresskoma" nicht in meinem aktiven Wortschatz zu finden. Das hat sich wohl geändert und wird vermutlich böse enden. Wurscht.


Diese Baumhängerchen - für mich eine absolute Kindheitserinnerung - stammen vom Flohmarkt und haben nur 3,50€ gekostet. Nicht pro Stück, sondern in einer großen Schachtel mit sagenhaften 21 Teilen. Yeah! Es ist mittlerweile wirklich lustig anzusehen, wie sich sogar die Verkäufer dort aufs Fest einstimmen und Anfang Dezember plötzlich Baumschmuck, Strohsterne und überdimensionierte Holzschneemänner von vor vierzig Jahren beiläufig aus den Kisten ziehen, um sie in die erste Reihe zu schubsen.

Das kleine Winterwunderland auf dem letzten Bild ist übrigens gestern noch in einer Hauruckaktion entstanden. Kunstschnee und windschiefe Minitannen stammen von Depot. Ich bin etwas verschossen. Schwierig ist nur, die Kerzen so auszupusten, dass der Schnee im Stern liegenbleibt. Hmz. Ihr wisst, was ich meine. Wie Wohnzimmertisch und -teppich gestern aussahen, als ich arglos in Richtung Kerzen blies... Schneegestöber! Hui! Uh. Na ja, dann ist halt Winter in der Wohnung, das hat auch was.

Was gelernt?
Kunstschnee mag keinen Wind. 
Wirklich nicht.

Freitag, 19. Dezember 2014

Weihnachtswunschliste.

Liebe Schnitzelfreunde,
wenn ich so auf anderen Blogs herumklicke und locker durch die Posts mausiere und rolle, bleibe ich recht oft an diesen Collagen hängen. Irgendwas ist mit denen. Die machen und sprechen mich an. Da kribbelt's. Habt ihr das auch? Deshalb wollte ich heute, ein wenig aus Neugier, selbst mal eine zusammenstellen. Einfach mal schauen, ob das klappt und wie man so etwas überhaupt angeht. Vor allem als Schnitzel - als jemand ohne Photoshop auf dem PC, ohne fancy Fähigkeiten in den Fingerspitzen und leider auch ohne elefantengroße Technikaffinität in Geist und Hirn. Aber wenn wir die Sache mit der gebotenen Vernunft betrachten, kommen wir doch zu folgendem Schluss: Meistens gibt es mehr als nur einen Weg, die Dinge anzugehen und denn letztendlich auch fertigzustellen. Und wenn man sich ein wenig Mühe gibt, also Tränen, Schweiß und Hirnschmalz investiert, dann ist unter Umständen sogar das Ergebnis ein gutes. Kann ja auch nicht sein, dass ohne Photoshop alles nichts ist. Nicht wahr. Wo kämen wir denn da hin, Herrschaften? Eben. Hallelujah.

Einen zweiten, sicher viel besseren Grund für diesen Post gibt es natürlich auch. Da ja bald Weihnachten ist, kommt dem ein oder anderen von euch so eine weitere Collage (jaaa, na gut, die fünfhundertste) vielleicht noch ganz gelegen. Für den allerletzten, noch dringend benötigten Geistesblitz zum Fest der Liebe. Wer weiß?! 

Verrückt wäre das. Wir versuchen das jetzt mal zusammen.



1. Rucksack Fjällräven Kanken in der Farbe "Fog"
2. Drink Up Intensive Overnight Maske
3. Pendelleuchte in Kupfer
4. Lebensbejahender Motivschnitt in Holzoptik
5. Vollmond als Uhr, muss leider selbst gebastelt werden
6. The Green Kitchen Kochbuch ohne Tiere
7. DVD-Pack Loriot - Die Spielfilme
8. Fröhliche Bommelmütze


Das seht ihr jetzt nicht, aber ich klopfe mir selbst anerkennend auf die Schulter. Was ihr auch weder sehen noch wissen könnt: Es dauert EWIG, eine Collage zu erstellen. Zumindest im Hause Schnitzel. Ohne Photoshop. Zu Fuß. Mit dem Arm an der Hand. Das überlegen wir uns nochmal, ob das wiederholt wird. Allerdings mit einem Lächeln auf den Lippen... Denn das Ergebnis kann sich ja sehen lassen. 

Habt ihr denn schon alle Geschenke zusammen? In wahnsinnigen fünf Tagen ist ja schon Heiligabend. Herrjeh. War nicht vorgestern erst Herbstanfang? Leider habe ich dieses Jahr den Weihnachtsmarkt nur zweimal bewandert und irgendwie ü-ber-haupt keine Zeit gefunden, um Plätzchen zu backen. Das macht sich gerade bemerkbar. Mir fehlt die Weihnachtsstimmung. Darum verabschiede ich mich flugs, wühle in der virtuellen Weihnachtsmusikschatulle und tippe auf Pinterest noch einmal "Weihnachten", "christmas", "kerst" und "navidad" ins Suchfeld, und dann wird das schon. Nebenbei Kerzchen und Tee, sehr dringend.


Was gelernt?
Weihnachten findet wohl vorrangig im Kopf statt. Augen, Nase und Ohren können aber nachhelfen. Und: ich habe wirklich ein Herz für Collagen! Hach.

Dienstag, 16. Dezember 2014

Ultraspätherbstschlemmerei: Leckere Kartoffel-Rosmarin-Pizza

Liebe Schnitzelfreunde,
es wird kuscheliger. Sobald die Temperaturen sinken, sich draußen vorm Fenster die Baumkronen im Wind wiegen und dicke Strickschals um rote Nasen gewickelt werden, überkommt mich das Bedürfnis, den Ofen verstärkt zu nutzen. Völlig unpassend fällt mir dazu gerade ein, dass im Gefrierfach noch leckerer Rhabarberkuchen vom vergangenen Frühling auf seinen Verzehr wartet. Ich bin wohl tief im Inneren ein Eichhörnchen. Nahrung wird gesammelt, verbuddelt und gehortet. Für schlechte Zeiten. Mmhhhm.

Jedenfalls habe ich heute passend zum Wetter einen richtigen Leckerbissen für euch zusammengebastelt. Einen, der das Herz wärmt und den Magen füllt, ohne zu beschweren. Ich präsentiere: die omnipotente Kartoffel-Rosmarin-Pizza! Eigentlich ein Flammkuchen. Benötigt werden nur wenige Zutaten. Und zaubern können muss man dafür auch nicht. Das Rezept stammt ursprünglich aus der Oktoberausgabe des COUCH Magazins - ich habe es lediglich ein klitzekleines bisschen abgewandelt. 


Der Flammkuchen muss nur 7 Minuten in den Ofen. Während dieser 7 Minuten wird sich eure Wohnung in ein olfaktorisches Wunderland verwandeln. Glaubt mir. Mein Franzose und ich werden immer ganz verrückt. Wir rennen dann alle anderthalb Minuten zum Ofen, um nachzusehen, ob das Essen nicht vielleicht doch schon fertig ist. Man kann ja nie wissen. Das warme Olivenöl, die leicht gerösteten Zwiebelringe und die zartknusprigen Rosmarinnadeln vermischen sich zu würzigen Duftschwaden und werden euch um den Verstand bringen! Nein, ich übertreibe nicht. Probiert es aus.

 


Kartoffel-Rosmarin-Pizza 

Zutaten für ein Ofenblech

3-4 größere Kartoffeln
1 rote Zwiebel
1 Packung Flammkuchenteig von Tante Fanny oder jemand anderem
1 Becher Crème fraîche, eventuell die light-Variante
1 Zweig frischer Rosmarin
ein bisschen Olivenöl zum Beträufeln
Salz und Pfeffer

1. Die Kartoffeln schälen, in schmale Scheiben schneiden und in einem Topf mit kochendem Salzwasser cirka 5 Minuten lang baden. Kartoffelscheibchen in ein Sieb stürzen, kalt duschen und gut abtropfen lassen. Derweil die Zwiebel schälen und in Ringe schneiden. 

2. Den Backofen samt (!) Blech auf 240°C Ober-/Unterhitze vorheizen. Das ist wichtig, damit der Flammkuchenteig auch von unten schön knusprig wird. Besagten Teig auf einem großen Brett ausrollen, Crème fraîche daraufstreichen und Kartoffelscheibchen sowie Zwiebelringe auflegen. Das Ganze nach Belieben salzen und pfeffern. Rosmarinnadeln über die Pizza streuen und alles schüchtern mit Olivenöl beträufeln.

3. Die Komposition vorsichtig auf das heiße Blech im Ofen befördern und dort bei 240°C Ober-/Unterhitze cirka 7 Minuten lang backen.


Während Kurtchen sich wie Bolle über seine geleistete Arbeit freut, beginnt für euch nun eine kleine Tortur. Mein Gott, wie das DUFTET! Lauft in der Zeit einfach dreimal um den Block, um nicht wahnsinnig zu werden. Oder kostet es aus und haltet eure Nase in den Ofenlüftungsschacht. Den Tisch könnte man natürlich auch decken.


Ich hatte gar nicht so viel von dem Rezept erwartet, als ich es zum ersten Mal ausprobierte, aber es ist wirklich einfach umwerfend! Eines von diesen "Ist noch was übrig?"-Rezepten. Die, von denen man mehr will. Die, die man zweimal pro Woche in Angriff nehmen möchte, in die man sich reinsetzen könnte. Ja, ich bin verliebt. Ehrlich und wahrhaftig. Herzklopfen im ganzen Körper.


Ein Blech oder auch ein Flammkuchenteig von Tante Fanny reicht für zwei Personen. Für einen etwas rustikaleren Look lasst ihr einfach den Kartoffeln ihre Schale und verderbt Kurtchen den Spaß. Ich möchte übrigens für das letzte Bild um Entschuldigung bitten. Was ihr da seht, ist ein sehr tapferes Stück Flammkuchen, das die Nacht einsam und verlassen im Kühlschrank verbringen musste. Problem Tageslicht. Die Zwiebelringe sind eingematscht, die Crème fraîche bröckelt vor sich hin und die Kartoffeln wirken halt wie Kartoffeln vom Vortag, grellgelb und leicht angetrocknet. Aaaaach, lecker. (Aus dem Tagebuch eines Marketing-Naturtalents...) Meine Güte, ich rede mich um Kopf und Kragen. Niemand wird dieses Rezept nachkochen wollen. Aber das ist ein Fehler! Ein sehr großer Fehler! Ich sag es euch. Aber auf mich hört ja keiner.

Was gelernt?
Zu dokumentierendes Kochen ab Spätherbst nur noch am Wochenende.
Und: Einfach mal Klappe halten, wenn gut is. Tschüss.

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Auch Schneemänner müssen mal groß.
Und: Chronik eines Adventsonntags.

Liebe Schnitzelfreunde,
mein Name ist Mareike und ich möchte heute in der heimeligen Vorweihnachtszeit über ein brisantes Thema mit euch sprechen. Verstopfung. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man im ersten Absatz eines Posts dringend die wichtigsten Stichworte unterbringen soll. Das klappt ja hier immer hervorragend. Nämlich überhaupt nicht. Aber heute wird alles anders. Verstopfung also. Bös, arg und fies. Wir könnten das auch noch anreichern mit: Unwohlsein, Völlegefühl, Darmträgheit und, hm, vielleicht sogar Obstipation. Das ist das kluge Wort für Verstopfung. Kannte ich vorher auch nicht. Aber man will hier ja seinem Bildungsauftrag nachkommen, nech? Und bevor ihr jetzt alle angewidert von dannen eilt, obwohl es sich um ein vollkommen natürliches, menschliches Problemchen handelt, das uns alle etwas angeht (provokant, nicht wahr?), kriegen wir hier gemeinsam die Kurve und reißen das Ruder mit vereinten Kräften mehr als nur rum, versprochen. Erstmal ein Bild vom eigentlichen Thema, um meine friedlichen Absichten zu demonstrieren.


Ich weiß nicht, wie es euch dabei geht, aber mich amüsiert das sehr. Mein ehemaliger Vorgesetzter hatte mich auf diese Idee gebracht. Hallo Herr F., übrigens! Mal wieder glaubte ich, was einmalig Dolles gefunden (bekommen) zu haben, auf das die Welt gewartet hat. Und dann, tja, dann klickte ich auf Pinterest herum - ein Fehler. Wie so oft wurden meine Illusionen jäh zerstört. Schneemannköttelchen, wohin man blickt. Na toll. Gut, mit dem Alter kommt die Weisheit. Man lernt, mit frustrierenden Situationen umzugehen und ihnen die Stirn zu bieten. Oder ihnen, wie in diesem Fall, die Tic-Tac-Dose an den Kopf zu werfen. Einfach mal so tun, als wär nix gewesen. Auf beiden Augen blind. Nur weil jemand anderes oder eben hundert andere die Idee schon früher hatten, wird die Idee selbst ja nicht schlechter.


Wer's nachbauen mag, um es dann an seine Mitmenschen zu verschenken, der wird nicht sonderlich viel Arbeit mit den Döschen haben. Ihr kauft ein oder zwei Dosen Tic Tac, die ihr wie gewohnt vor Kopf an diesem fiesen "Kauf mich!"-Stand vor den Supermarktkassen findet. Die Produktsticker auf den Dosen lassen sich zum Glück rückstandsfrei entfernen. Was war ich da erleichtert! Dann entscheidet ihr euch für einen Streifen Tonkarton in einer euch genehmen Farbe. Weiß sollte es vielleicht nicht unbedingt sein, da käme der Schneemann ja kaum zur Geltung. Ähnliches gilt für die Breite des Streifens. Lasst ihn nicht die gesamte Fläche bedecken, das versteckt dann nur unsere Hauptkomponente. Wär doch schade.


Es folgt ein wenig Fummel- und Knibbelarbeit. Mit streifig zugeschnittenem Teppichklebeband lässt sich der Tonkartonstreifen bestens ums Döschen schmiegen. Die Kanten sind so kein Problem mehr. Ein Traum. Dann geht's endlich an den größten Spaß - die Kreation des Schneemanns samt aussagekräftigem Gesichtsausdruck. Den kann man super minutenlang vorm Spiegel üben und sich so zum Horst machen, wenn jemand reinkommt und fragt, ob alles okay sei... "Ja, ja, alles gut. Ich muss nur kurz checken, wie der Schneemann guckt, wenn's auf dem Klo mal nicht so gut läuft." Tja. Versteht nicht jeder.


Die Köpfe habe ich mithilfe diverser Kleingeldstücke kugelrund hinbekommen und dann an einer Seite gestutzt, weil's besser aussieht, wenn der Schneemann von unten ins Bild rutscht. Da kann man sich wenigstens noch einen Körper dazudenken. Einen feschen Zylinderhut dazu, eine winzig kleine Karotte (immer noch alles mit doppelseitigem Klebeband befestigt), und die vor Anstrengung zusammengekniffenen Augen solltet ihr ja vorher ein bisschen geübt haben und dann einfach mit einem schwarzen Stift direkt ins Schneemanngesicht zeichnen. Alles halb so wild. Damit der Beschenkte hinterher überhaupt weiß, was der Quatsch soll, könnt ihr noch einen quirligen kleinen Geschenkanhänger dazupacken, auf dem mit ernsten Worten verkündet wird, dass es sich hier definitiv NICHT um erfrischende Pfefferminzbonbons handelt.


Ja, das war's dann auch schon. So eine Portion Schneemannköttel macht sich wirklich gut als kleine Beigabe zum Weihnachtsgeschenk und kann für den ein oder anderen Schmunzler sorgen.

In gewohnt abrupter Manier beende ich das eine Thema und komme geschwind zum nächsten: meinem Protokoll der Ereignisse eines längst vergangenen Adventsonntags, denn der zweite Teil des Titels möchte auch erfüllt werden... Seltsame Dinge trugen sich vor, in und um dieses Haus herum zu. Um euch kurz einen Überblick zu geben: Es war der erste Advent, wir hatten beschlossen, keinen Fuß vor die Tür zu setzen und schlawienerten in Puschelklamotten zwischen Couch und Küche hin und her. Und: unser Haus steht vor einer dicken, fetten Kirche, die man hervorragend vom Küchenfenster aus beobachten kann. Das ist nicht so langweilig wie man vielleicht meinen könnte. Sollten wir hier wohnen bleiben, werde ich ganz sicher mal zu einer dieser Ommas, die am Fenster hängen und die Welt betrachten. Aber ganz, ganz sicher.



Küchenprotokoll vom 30.11.2014

- stehe in Küche und backe; werfe ab und zu Blick aus Fenster und sehe zu, wie kirchlicher Weihnachtsmarkt aufgebaut wird
- Pfarrerin in Magentarobe schreitet plötzlich aus Kirche; sieht wild entschlossen aus, fuchtelt einladend mit Armen und bleibt einfach auf Bürgersteig stehen
- frage mich, was jetzt wieder los ist; knete Teig
- Grüppchen von 12 pudelbemützten Christen reiht sich fein auf und blickt Magentapfarrerin erwartungsfroh an
- werde neugierig; öffne Fenster
- Grüppchen beschließt nach viel Gemurmel lautstark, Licht der Hoffnung zu werden und schüttelt einander die Hände
- blicke auf meine unheiligen Orientkekse und denke an Schneemannkötteldosen; empfinde Stilbruch und tiefe Kluft zwischen hier und dort
- Magentapfarrerin verteilt Oblaten auf Bürgersteig
- habe genug gesehen und gehört; Neugier befriedigt; schließe Fenster wieder 
- weiterbacken
- es klingelt an der Tür
- weigere mich, im Pyjama zu öffnen; Franzose drückt Türsummer und beschließt erst dann, sich ebenfalls zu weigern; Grund: unzureichende Deutschkenntnisse
- was wir haben? Salat; den
- unbekannte Frau erscheint in Hausflur, wird abwechselnd durch Türspion beäugt und für verdächtig gehalten
- Frau wieselt rastlos zwischen unserer + Tür der Nachbarin hin und her, wirkt unschlüssig
- Franzose und ich hören auf zu atmen
- Rückzug; dann Diskussion in Küche, um Identität der ominösen Frau zu eruieren
- Franzose ist überzeugt, das sei meine Schuld; Dame käme sicher "vom Blog"; is klar
- wende mich kopfschüttelnd ab und zehenspitzle zurück zur Tür
- luge erneut durch Türspion; Schockschwerenot; Frau starrt Tür an, oder mich?!
- lasse mich geräuschvoll zu Boden fallen + robbe zurück in Küche

Ich denke, wir müssen umziehen.




Was gelernt?
Ich weiß auch nicht...
Aber am nächsten Morgen fand ich eine Zellophantüte mit selbstgebackenen Brownies neben der Tür. Alles sehr mysteriös. Franzose meinte 4 Tage lang, die könnten vergiftet sein. Am 5. Tag stand er dann aber mampfend in der Küche. Es tue ihm so leid wegen all der Liebe, die doch sicher in den (plötzlich nicht mehr vergifteten?) Brownies stecke. Hach ja. Plemplem.

Freitag, 5. Dezember 2014

Zehn Bücher.

Liebe Schnitzelfreunde,
diesen Post oder eher diese Liste schulde ich seit zweieinhalb Monaten einer Freundin - der Eiskübel wollte mich nicht, die Bücher aber sehr wohl. Diese Büchernominierung verwundert mich kein Stück, schließlich haben wir uns zusammen durchs Studium gefummelt und sind am Ende beide stolz als Diplom-Literaturübersetzerinnen daraus hervorgegangen. "Krieg' ich locker hin, das", war meine erste Reaktion auf den Aufruf. Wir waren jahrelang mit so vielen Büchern in Kontakt. Wir sollten Bücher quasi atmen. Aber setzt euch mal auf den Hosenboden und wählt ganz bewusst aus der schieren Masse an Gedrucktem zehn Bücher, die euch wirklich was bedeuten. Egal, ob es "nur" zehn oder "ganze" zehn Bücher sind. Das wird jeder anders empfinden. Ich wollte ganz ehrlich sein, und ganz ehrlich gesagt wollte ich auch irgendwie gut dastehen mit meiner Liste. Oft passen diese beiden ja nicht so gut zusammen, nech? Schiet. Also bleibe ich bei 'ganz ehrlich' und pfeife auf 'gut dastehen'. Das macht die Entscheidung für jedes einzelne Büchlein trotzdem nur unbedeutend leichter.

1. I.M. - Connie Palmen
Ich hab's noch nicht einmal halb durch, es liegt jeden Abend neben dem Bett und wartet auf mich, und doch wusste ich schon am ersten Abend nach nur drei, vielleicht fünf Seiten, dass mich dieses Buch komplett fertigmachen würde, dass ich schrecklich verliebt war, mir die Augen ausheulen und vor Lachen am Boden herumrollen würde. So schamlos ehrlich schreibt sie, es ist wahnsinnig befreiend. Ihre anderen Bücher stehen längst auf meiner Wunschliste. Frau Palmen kann was. Sie berührt. Ich bin so froh, dieses Buch gefunden zu haben...

2. Schiffbruch mit Tiger - Yann Martel
Was für ein selten dämlicher Titel, und das Cover ist auch nicht so doll. So mein vorschnelles Urteil, als das Buch an einem Weihnachtsabend vor sicher zehn Jahren vor meinen Augen an jemanden verschenkt wurde. Viele Jahre später las ich es doch, und meine Güte, was machte dieses Buch mit mir? Zum ersten Mal im Leben brachte ein Buch mich dazu, während des Lesens laut zu lachen, mich geräuschvoll zu erschrecken oder emotionsgeladen mitzuzittern. Wer auch immer gerade neben mir saß, hatte stets seine helle Freude an diesem Spektakel. Sowas tun Bücher mit einem, wenn man sie zum rechten Zeitpunkt liest. Und dann ändert sich was. Innen. Da war irgendwas. Ein Mensch, ein Tiger, ein Boot. Kein Ausweg. Überleg, was du tust, oder du bist tot. Nutze die Chance. Wachse an deinen Aufgaben.

3. Das verborgene Wort - Ulla Hahn
Zu Tode geliebt und gelesen. Diese Sprache, die Geschichte, die Hauptfigur Hildegard Palm, das Umfeld, in dem sich alles abspielt. Liebster Satz aus der Buchbeschreibung: "Ihren Eltern ist Hilde verdächtig." Ich glaube, da erkenn' ich mich wieder. Vor ein paar Wochen habe ich Ulla Hahn dann bei 'Open Books' im Frankfurter Kunstverein zum ersten Mal in echt gesehen und gehört. Kluge Frau, neugierig aufs Leben und niemals überheblich. Als ich ihr meine Ausgabe des Buches zum Signieren reichte, schmunzelte sie kurz und merkte an, dass das ja wirklich etwas abgegriffen sei. Ja, so ist das halt mit Lieblingsbüchern, nech?

4. Sag es treffender - A.M. Textor
Mein bester Freund im Studium. Jeder besaß dieses Buch. Es wurde allgemein nur "Der Textor" genannt und war ein gutes Mittel gegen spontanen Hirnausfall und Kreativitätsblockaden in Übersetzungsklausuren. Es handelt sich recht banal um ein Synonymwörterbuch, ein Buch mit Verweisen auf sinnverwandte Wörter und Ausdrücke, in dem ich auch heute noch richtig gerne blättere. Manchmal einfach, um zu schauen, was die deutsche Sprache so alles auf dem Kasten hat. Ein paar der Verweise unter dem Begriff "genießen": sich erfreuen, ergötzen, delektieren, erbauen, begeistern, schwelgen, frönen, in die Vollen gehen, sich etwas reinziehen, zu leben wissen, es sich wohl sein lassen, voll auskosten... Das ganze Buch sollte man hier reintippen!

5. Die Zeit, die Zeit - Martin Suter
Verrückte Sache, diese Zeit. Und der alte Knupp in diesem Buch scheint einen an der Waffel zu haben. Oder etwa doch nicht? Die Zeit zurückdrehen? Geht das? Gibt es denn so etwas wie Zeit überhaupt oder haben wir sie erfunden? Wenn man sich drauf einlässt, kann man hier bei einem vollkommen wahnwitzigen Experiment mitfiebern. Na gut, das Ende des Romans fand ich ein bisschen beknackt, doch das tut der Sache keinen Abbruch. Martin Suter schreibt in angenehm 'sauberem' Deutsch, ohne dabei platt oder unoriginell zu sein. Der Mann könnte über leerstehende ostsibirische Fußmattenfabriken schreiben und ich wäre extrem interessiert. Alles wie immer gut konstruiert und spannend zu lesen.

6. Taxi - Karen Duve
Tollste Sprachkunst auch hier. Alles von Frau Duve ist wirklich lesenswert, ich falle vor ihrem Können auf die Knie. Das Buch ist, wie der Umschlag verlauten lässt, echt "komisch, erbarmungslos und ehrlich bis auf die Knochen". Und einfach hoch unterhaltsam. "Ich meldete mich auf eine Anzeige, in der nicht nur Taxifahrer, sondern ausdrücklich auch Taxifahrerinnen gesucht wurden. 1983 war es in Stellenanzeigen noch nicht üblich, jedem Beruf auch eine weibliche Endung anzufügen. Man tat es nur, wenn man andeuten wollte, dass man praktisch jeden nahm." Ich kaufte das Buch, weil es erstens von einer ursympathischen Dozentin empfohlen worden war und weil es mir zweitens während des Studiums gar nicht so unwahrscheinlich erschien, hinterher selbst mal als Taxifahrerin zu enden. Geisteswissenschaften halt.

7. Everything is illuminated - Jonathan Safran Foer
Ich weiß auch nicht. Das Buch ist super. So viele Spleens, so viele Verrückte, so viele Charaktere, die einen an der Klatsche haben. Und okay, traurig ist es am Ende auch. Macht nichts. Als ich den Film sah, fiel ich mittendrin aus Versehen vor Lachen von der Couch. Passiert auch nicht so oft.

8. Das andere Fremdwörter-Lexikon - Wolf-Ulrich Cropp
Herrlich. Ein Geschenk von einem damaligen Bekannten; Student der Physik und in einer Weise belesen, die zutiefst beeindruckend war. Er jonglierte wie selbstverständlich mit den ausgefallensten Fremdwörtern, und ich verstand ihn, fast immer. Wollte ich unsere teils komplett absurden Gespräche dann aber selbst auch durch Fremdwörter bereichern, kam ich ab und an ins Stocken: "Oh man, dafür gibt es ein Fremdwort, aber verdammt, wo isses hin in meinem Kopf?" Weil in dieser Hinsicht im Kopf also etwas nicht stimmte, gab's zum Geburtstag dieses tolle Lexikon. Für Menschen, die zuweilen seltsame Probleme mit Fremdwörtern haben. Falsch herum geartete quasi. Das Buch hilft dem, der grad nicht mehr weiß, dass der "Hausmeister" auch schicker "Concierge", "Portier" oder gar "Kastellan" heißen kann. Oder, dass man statt "selbstlos" auch "altruistisch" sein kann und man statt eines "selbstverständlich" auch total klug mit dem Lateinischen "eo ipso" daherkommen kann. Dass man echauffieren, föderieren, rekreieren und konsolidieren kann anstatt sich nur aufzuregen, sich zu verbünden, zu erholen und zu sichern. 

9. Die Entdeckung der Langsamkeit - Sten Nadolny
Ein Buch, das einen lehrt, bedächtig mit den Dingen umzugehen. Vorsichtig zu sein, mit anderen und auch mit sich selbst. Weil's gut tut. "'Johns Augen und Ohren', schrieb Dr. Orme an den Kapitän, 'halten jeden Eindruck eigentümlich lang fest. Seine scheinbare Begriffsstutzigkeit und Trägheit ist nichts anderes als eine übergroße Sorgfalt des Gehirns gegenüber Einzelheiten aller Art.'" Über jemanden, der lernt, sich so anzunehmen wie er ist und absolut okay zu finden. Fand ich mutig: "Ich bin langsam. Richten Sie sich bitte danach!"

10. tschick - Wolfgang Herrndorf 
Kennt man einfach, nech? Für mich das Buch, das nicht nur aber auch wegen der Umstände, unter denen es geschrieben wurde, so wahnsinnig laut dazu auffordert, einfach mal zu leben und den geilen Scheiß zu tun, den man halt tun möchte. Lasse reden, ist egal. Ich hab da jetzt Bock drauf. Komm mit, wie erobern die Welt! Und... man muss echt nicht von jedem gemocht und verstanden werden. Das lernt man ja zum Glück auch irgendwann.

Was gelernt?
Mehr gute Bücher, bitte! Bin dezent verknallt.
Und diese Liste von stepanini hat es mir dermaßen angetan, dass morgen erstmal der Buchladen geplündert wird. Und ihr so? Immer her mit der Bücherliebe.

Sonntag, 30. November 2014

my feet and [...]
Fotoserien für den gemeinen Neurotiker

Liebe Schnitzelfreunde,
ich mag Füße. Also, eigentlich noch viel eher Fotos von Füßen, gerne auch von angezogenen Füßen. Solchen in Socken, Flip-Flops, Strumpfhosen, Wanderschuhen, eleganten Schläppchen, ausgelatschten Sneakers, Gummistiefeln oder derben Sandalen. Keine Ahnung, wo diese Begeisterung herkommt, aber seit ich meine heißgeliebte Nikon Spiegelreflexkamera mit mir herumschleife, bleibe ich am laufenden Band irgendwo stehen, wo der Bodenbelag mächtig Eindruck macht, schubse meine elfenzarten Quadratlatschen ins untere Bilddrittel und drücke selig auf den Auslöser. (Kleine Notiz an mich: das mit den kürzeren Sätzen, das muss wirklich mal angegangen werden. Seid ihr noch da?) 


Vielleicht ist es auch eher ein ganz fieser Schuh-Fetisch, den ich mir eifrig angezüchtet habe? Obwohl ich da noch Zweifel hege. Schuhgeschäfte sind mir ein Graus, meine eigenen Treter sind meist nach kürzester Zeit mindestens vorne an der Spitze so arg zerkratzt, dass man meinen könnte, ich spiele mit allem, was mir vor die Füße läuft, eine lustige Runde Ball und wenn es ein Schuh bei mir ins Regal schafft, darf er meist bleiben, bis er auseinanderfällt. Und das ist leider wörtlich gemeint. An dieser Stelle viele Grüße an Mama, die mich vor wenigen Jahren noch sanft dazu ermutigen musste, ein paar zu Tode geliebte Stiefel in die Tonne zu kicken. Tolle Lederstiefel, zwei Nummern zu groß, mit einem mittelgroßen Loch oben (da kann die Sonne reinscheinen) und einem größer als mittelgroßen Loch unten (da kann der Regen aus den Pfützen reinsickern). Ein ganzes Jahr lang hatte ich sie noch hinten im Schrank versteckt. Ab und zu wurden sie hervorgeholt, wenn eine Kneipentour oder eine durchtanzte Nacht anstand. Im Dunkeln mit Bierchen in der Hand und feinem Beat in den Ohren achtete eh niemand auf funktionstüchtiges Schuhwerk.


Viel eher vermute ich ja, dass ich einfach dokumentieren möchte, wo ich war. So komplett unspektakulär. Wo ich mit meinen eigenen Füßen gestanden habe. Ganz wahrhaftig. Und den Moment einfangen, der oft ein besonderer war. Obwohl man das den meisten Bildern überhaupt nicht ansieht. 


Hier zum Beispiel von links nach rechts: 1. Paragliding am Atlantik in Frankreich. Da hatte ich meinen Flug mit nackten Füßen und zum ersten Mal knallrot lackierten Zehennägeln grad hinter mir und blicke Franzose hinterher, der grad abgehoben ist. Ich war so ausgehungert, wollte so gerne mal wieder etwas Ungewöhnliches tun. 2. Ein weiteres erstes Mal. Der Laubschnitzler und ich. Mit Sicherheit gibt es eine vernünftige Bezeichnung für dieses Gerät, mit dem ich sehr viel Spaß hatte. Stundenlang, denn der französische Garten ist unglaublich groß. 3. Auf dem Weg zum Flohmarkt in Frankfurt. Tag des Ommakostüms. Aufregend. Überall lagen bunt bemalte Steine herum. 4. Flohmarktfunde von einem anderen Tag als dem Tag des Ommakostüms. Dieses Buch rechts oben, das werde ich bald noch mal erwähnen. Es bringt mich um. So gut ist es. Und mein Gott, was war ich glücklich, es in der Kiste entdeckt zu haben! 5. Auf der Rolltreppe mit Tom. Auf dem Weg in den Grugapark in Essen. Ein wirklich lang herbeigesehnter und ganz, ganz arg benötigter Heimatbesuch. Tja... Zuhause ist eben einfach da, wo deine Freunde sind. Mensch. Isso.


Und auch hier nochmal: 1. Auf dem von der Sonne fein aufgeheizten Dach des Mietwagens im Roadtrip-Sommer 2013 in Griechenland. Sich losgelöst fühlen und frei, ganze zehn Tage lang, was für ein geiler Urlaub. Leider bin ich eine Minute nach dem Foto hier barfuß in sechs bis acht kleine Distelbomben getreten. Mit Widerhaken. 2. Schon wieder Frankreich und der Atlantik. Ein Strand, der so menschenleer war, dass man vor Glück hätte quietschen können. Tosende Wellen, leichter Dunst in der Luft, weit und breit nur Meer, Salzwasser und Milliarden von Sandkörnern. Ein Träumchen. 3. Rosa Kunstkringelchen in der U-Bahn-Haltestelle am Willy-Brandt-Platz mitten in Frankfurt. Fast meine Lieblingshaltstelle, weil sie so liebevoll und irgendwie auch surreal gestaltet ist. Überall Kunst und seltsame Dinge. 4. Schielender Superkater in einer unauffälligen Seitengasse in Griechenland. Zunächst so scheu und skeptisch, dann aber hingebungsvoll schmusig. Rote Haare for president! 5. Vor dem Ökohaus in Frankfurt, bei einem Franzosenbesuch. Wir waren gerade so dämlich, den Zug zu verpassen und brauchten ein Zeitverbringding. Peinlich, jetzt noch zuzugeben, dass der nächste Zug uns mittens ins Nirgendwo kutschierte, weil wir nicht gemerkt hatten, dass es in Hessen zwei Dörfchen mit demselben Namen gibt. Wir fuhren wenigstens an einer Ortschaft namens "Lieblos" vorbei, und das hat dann irgendwie den Tag gerettet. Vielleicht kann man da mal vorbeigehen und ganz viel Liebe in die vielen Briefkästen werfen?


Diese Fußmomente. Gut sind sie. Und es werden immer mehr. Ich find's richtig, beim Fotografieren auch mal nach ganz unten oder auch nach weit, weit oben zu schauen. Die Perspektive herauszufordern und mit ihr zu spielen. 


Manchmal liegen einem die besten Sachen doch wirklich zu Füßen, hm?


Was gelernt?
Ich habe über 100 Fußfotos. Uff.
Habt ihr auch so einen Fototick, der euch begleitet? Wollt ihr ihn loswerden oder kann er ruhig bleiben?

Mittwoch, 26. November 2014

Ob blond, ob braun, ich liebe alle... Kuchen!
Blondies aus "New York Cult Recipes"

Liebe Schnitzelfreunde,
ich liege vollgefuttert am Boden, mein Bauch wölbt sich majestätisch über den Hosenbund und ich bereue nichts! Das, was ich euch heute zeige, ist die Offenbarung. Eine Sinfonie von Zutaten, die sich harmonisch ineinanderschmiegen und zum besten kuchenähnlichen Teiggebilde vereinen, in das ich je meine Zähne habe sinken lassen. Kurz: es führt kein Weg daran vorbei, euch dieses wirklich wundervolle Blondies-Rezept aus dem Hause Marc Grossman und seinem Kochbuch "New York Cult Recipes" aufzudrängen.


Der Sommerurlaub in Frankreich ist schuld daran, dass dieses Buch nun überhaupt hier herumlungert. Wir besuchten die Franzosenschwester in Toulouse. Weil mein Französisch rudimentär war und ist, also etwas mehr als nur bescheiden ("Bonjour, bonjour! Baguette? Oui! Oh lá lá..."), stromerte ich während der Vorbereitungen zum Mittagessen durch die Speisekammer. Was man halt so macht, wenn man sich mit niemandem unterhalten kann. Fremde Wohnungen sind eh schon immer unglaublich spannend, aber fremde Speisekammern in fremden Wohnungen in fremden LÄNDERN sind mein persönliches Paradies. Da kann man mich ruhigen Gewissens abstellen, gerne auch die Tür schließen und den Schlüssel verlegen. Alles kein Problem.

Pekannuss - teuer, weil aus Nordamerika
Zwischen Feigensenf und Karamellcreme stand dieses knallgelbe, unfassbar dicke Kochbuch und machte mächtig Eindruck. Die nächsten zwanzig Minuten verbrachte ich also lesend in der französischen Speisekammer, bis jemand nach mir rief, weil das Essen fertig war. Das Gesicht der Schwester hellte sich auf, als sie das Buch in meinen Händen erblickte. Vor allem, weil der jüngste Neffe sowieso mal wieder etwas backen wollte. 

Franzosen reden ständig vom Essen, das merke ich bei jeder Zusammenkunft und kann es immer wieder aufs Neue kaum fassen. Zutatenlisten, Zubereitungsarten, Bezugsquellen, Variationen... Essen scheint ein überaus ergiebiges Gesprächsthema darzustellen. Macht mich verrückt. Aber auch froh. Weil sogar ich als halber Französisch-Horst bei DEM Thema über mindestens die Hälfte des Vokabulars verfüge, und weil Essen etwas ist, das jeden angeht.


So entschloss sich jedenfalls der zehnjährige Feinschmeckerneffe an dem Tag dazu, die Blondies aus diesem Buch zu backen, also helle Brownies. Zu dritt wanderten wir strammen Schrittes durch Toulouse, um weiße Schokolade, Vanilleextrakt, hellen Muscovadozucker und Pekannüsse zu besorgen, die vier wichtigsten und auch ausgefalleneren Zutaten für dieses Rezept. Ich habe es im Folgenden etwas abgewandelt. Allein schon, weil wir die englische Originalausgabe hier stehen haben und ich für euch alle Änderungen der Mengenangaben von cups zu Gramm vornehmen wollte.


Blondies

Zutaten für eine 30x30cm große Form

150g ungesalzene Butter
80ml Sonnenblumenöl
300g Muscovadozucker
2 Eier
1 TL Vanilleextrakt
240g Mehl
2 TL Backpulver
1/2 TL Salz
60g weiße Schokolade, gehackt
90g Pekannüsse, gehackt

Den Ofen auf 175°C vorheizen. Die Butter bei niedriger Temperatur in der Pfanne zerlassen, dann energisch mit Öl, Zucker, Eiern und Vanilleextrakt (oder Vanillepulver) vermischen. Die trockenen Zutaten vermengen und zur Buttermischung geben. Alles zu einem glatten Teig rühren. Das geht ganz locker ohne Mixer.

Eine ca. 30x30cm große Auflauf- oder Kuchenform fetten, den Teig hineingeben und mit angefeuchteten Händen glattstreichen. 

30min backen. Auskühlen lassen und in kleine Quadrate schneiden.


Eine ganz gefährliche Angelegenheit. Sagt es niemandem, aber Franzose hatte die Blondies ja eiiigentlich gebacken, weil er sie mit ins Büro nehmen wollte, um die Kollegen zu verwöhnen. Tja, End' vom Lied: das karamellfarbene Gebäck wird diese Wohnung nie verlassen! Nur über unsere Leichen! Schmeckt einfach zu gut. Machste nix. Und so angekautes, angeschnittenes Zeuch will man dann ja auch niemandem mehr zumuten, nicht wahr? Wir sind ja keine Unmenschen, und Manieren ham wer auch.

Im Großen und Ganzen ist "New York Cult Recipes" doch arg zu empfehlen. Der jüdische Einschlag in einigen der Rezepte ist bemerkenswert und die Liste an typischen amerikanischen Kultgerichten nimmt einfach kein Ende. Bagels, Peanut Butter Smoothies, Brownies, Mac & Cheese, Caesar Salad, Cheeseburger, Hash Browns, Marshmallows, S'Mores, Pecan pie, Pumpkin pie und New York Cheesecake mal als ein paar Beispiele... Uff, hallo Kalorienbomben! Ein Tipp für anglophile Sparfüchse: kauft das Teil auf englisch, so kostet es nur rund 20 anstatt 30€. Nur Umrechnen, das müsst ihr dann natürlich immer wieder. Eine kleine Kritik habe ich aber doch. Einige der Rezepte erfordern zum Gelingen erst das Nachkochen eines anderen Rezeptes aus demselben Buch, und das kann es ja wohl nicht sein, lieber Herr Grossman. Was ist da los? Da will man begeistert ins Burgerrezept eintauchen und merkt dann, dass man vorher leider erst das Rezept ein paar Seiten weiter durchpflügen muss, um die Brötchen zu backen und dann auch noch das Rezept für die extra-geile Sauce weiter hinten über sich ergehen lassen soll? Och...nö. Das passiert im ganzen Buch allerdings nur drei-, vier Mal, und das auf stolzen 260 Seiten mit 130 Rezepten und hunderten richtig guter Bilder. Ist okay, Herr Grossman, jeder macht mal Fehler, nech?

Was gelernt?
So viel Sport kann man gar nicht treiben, um diese fiesen Kalorienschweinereien in dem Buch abzutrainieren. Handle with care.

Sonntag, 23. November 2014

Bewegte Zeiten und bewegte Bilder
Dokumentationsliebe hoch zwei

Liebe Schnitzelfreunde,
Vielleicht habt ihr es schon bemerkt, vielleicht auch noch nicht, aber ich finde deutlich weniger Zeit für diesen Blog. Mein lieber Herr Gesangsverein! Diesen Blog, den ich wirklich arg lieb gewonnen habe in den vergangenen rund sieben oder acht Wochen. Tja, was soll ich sagen... So ist das wohl, wenn man zunächst ohne Job aber mit enorm viel Zeit und einem Kopf voller Ideen so ein Ding startet und dann, puff!, auf einmal MIT Job aber eben OHNE viel Zeit dasteht. Dumme Sache. Oder eben grad nicht. Jetzt heißt es: Arbeitslosenblog - level up!

Alles ist plötzlich neu und vollkommen anders. Ich besitze seit gestern einen Hosenanzug. Ich. In schick und schnieke. Um Gottes Willen, jetzt wird sie erwachsen. Das hab ich nicht gewollt. So oder so, hier geht's weiter, denn es macht Spaß! Und das anscheinend nicht nur mir selbst. Einer der weltbesten Gründe, nicht einfach hinzuschmeißen. Ein neuer Rhythmus wird sich finden, alles pendelt sich doch irgendwann ein, das ist tatsächlich immer so. Ohhmmmm. Franzose ist zwar gerade auch noch gesundheitlich angeschlagen und möchte gerne betüdelt werden, aber das bekommen wir alles hin. Einfach die Ruhe bewahren und weitermachen, nech? Fels in der Brandung und so. Na gut, angesichts meiner Körpergröße mag das vielleicht ein wenig lächerlich klingen. Ich bin eher Kategorie Kieselsteinchen.

So. Wo war ich? Ja. Bevor ich mich nun erneut in Details verliere und vom Hölzken aufs Stöcksken komme (ernsthaft? Stöcksken?), bleiben wir der bisherigen Linie treu und gehen ohne erkennbare sinnvolle Überleitung zum eigentlichen Thema über. Man soll ja immer das tun, was man am besten kann. 

Denn mal los. Ich habe in den letzten paar Wochen zwei Filme gesehen, die es sich meiner Meinung nach anzuschauen lohnt. Den ersten trete ich nicht so breit, denn das haben die Medien bereits getan. Aber den zweiten, Herrschaften, den mag ich in epischer Breite vorstellen, denn das war Liebe auf den ersten Blick. Beginnen wir also zunächst einfach mit Nummer 1. ¡Viva Mexico!





Qué caramba es la vida! oder auf Deutsch auch: Dieses schöne Scheißleben, von Doris Dörrie. Das war wirklich eine Farbexplosion, und auf Farbe stehe ich ja absolut. Diese satten Bilder, gepaart mit verrückter Mariachi-Musik, gespickt mit unzähligen kleinen Absurditäten und authentischen Einblicken in das Zuhause einiger starker Frauen, deren Leben voller Widersprüche stecken. Richtig toll. Allerdings stellenweise auch sehr traurig. So traurig, dass man versteht, warum der "Scheiß" seinen Weg in den Titel gefunden hat. Und gleichzeitig fordert der Film auch auf, sich von diesem Scheiß nicht runterziehen zu lassen. Er gehört zum Leben dazu, es ist halt nicht immer alles Ponyhof. Solltet ihr euch diese Dokumentation ansehen wollen, vergesst am besten erstens nicht die Taschentücher und hört und schaut am besten zweitens bei den älteren Mariachi-Damen genauer hin. Die haben Spässkes und nehmen sich selbst nicht allzu wichtig.



Dokumentation Nummer 2: Searching for Sugar Man. Eine völlig absurde, verrückte Geschichte eines Stars, der jahrzehntelang überhaupt nicht wusste, dass er einer ist. Was auch daran liegt, dass er ein bescheidenes, recht zurückgezogenes Leben in Detroit führt, während ihn weit, weit weg in Südafrika zu Zeiten der Apartheid die Menschen quasi als den heiligen Messias feiern und verehren. Sie spielen sein Album rauf und runter, gründen Bands nach seinem Vorbild und betreiben fasziniert Recherche, denn die einzige Information, die sie über diesen Menschen haben, ist sein ungewöhnlicher Vorname und dieses eine Album. Es entsteht ein regelrechter Hype um ihn. In dem Glauben, er sei in Amerika DER Superstar schlechthin. Und der Star selbst? Geht jeden Morgen im düsteren Detroit im schicken Anzug samt Einstecktuch zur Arbeit. Er schwingt dort den Vorschlaghammer und reißt Häuser ein, um seine kleine Familie über Wasser zu halten. Seine Kollegen amüsieren sich über ihn und seine Aufmachung, zeigen sich aber genausogut beeindruckt von seiner Einstellung zum Leben. Der Mann heißt Sixto Rodriguez und haut mich wirklich von den Socken - was seine Persönlichkeit und wirklich ganz besonders seine Musik angeht. Er ist Bob Dylan in der Version 2.0. Selbst wenn ihr nicht so sehr auf Dokumentationen über eigenwillige alte Männer mit Gitarre, Schlapphut und Sonnenbrille steht: allein die Musik in diesem Film sollte Grund genug sein, ihn sich zu Gemüte zu führen. Kaum zu fassen, dass das nicht WAHNSINNIG groß geworden ist! Ich geh am Stock... Echt. Eine kleine Kostprobe einmal hier mit dem Titelsong Sugar Man, einmal hier mit Crucify your Mind uuund dann noch einmal hier mit I wonder. Und wie toll es ist, dass manche Leute so hartnäckig am Ball bleiben, dass am Ende so etwas Großartiges wie dieser Film und die ergreifenden Konzerte von Rodriguez in Südafrika dabei entstehen. Und wie bescheiden, friedfertig und scheu dieser Mensch ist. Leider kommt in dem Trailer nicht so recht rüber, wie surreal und auch wirklich lustig diese Doku daherkommt. Es macht einen Riesenspaß, sie sich anzusehen. Das hätte ich vorher nicht erwartet. Franzose kannte sich aber wohl aus und bestand darauf, dass ich mich zu ihm auf die Couch setze und mitschaue. Zum Glück habe ich das getan.

Lobeshymne beendet. Ein Film, auf den ich mich außerdem seit Ewigkeiten wie Bolle freue, weil er hier geduldig in seiner DVD-Hülle auf uns wartet und solange einfach nur daliegt und hübsch aussieht, ist Stories We Tell. Mit großer, großer Wahrscheinlichkeit so wunderbar und schrecklich bewegend, dass auch da wieder eine Familienpackung Taschentücher bereitgelegt werden sollte. Manmanman.


Was gelernt?
Das Schreiben hat mir gefehlt. 
Und jetzt kümmern wir uns um das verdammte Walnuss-Bier-Brot, die Himbeermuffins mit weißer Schokolade und diese fabelhaft duftende Tajine von Franzose mit Aprikose, Mandel, Süßkartoffel, Kürbis, Zimt und Hühnchen!